4. Anhang B:    Tips für Streckenbauer

(von Joachim Schmid)

Grundsätzliches Dies soll eine kleine Hilfe für Leute sein, die sich RailSim gerade erst zugelegt haben. Die anderen haben da sicher schon ihre Methoden ;-)
Sicher haben viele Streckenbauer für RailSim den Ehrgeiz, eine bestimmte Strecke möglichst naturgetreu nachzubauen (ich auch...). Dennoch sollte man nie vergessen: RailSim ist keine Wissenschaft, sondern (gute) Unterhaltung. Also, was soll's denn, wenn das Einfahrsignal von Kleinkleckerhausen einen Zusatzanzeiger zu wenig hat ? Hauptsache, der Gesamteindruck der Strecke stimmt und es macht Spaß, sie zu "fahren". Man kann sie im Laufe der Zeit immer noch verbessern.
Allerdings sollte die Strecke schon ein Mindestmaß an Übereinstimmung mit dem Vorbild aufweisen, sonst bekommen auswärtige "Lokführer" einen völlig falschen Eindruck, und Streckenkundige fühlen sich auf den Arm genommen. Wenn zuwenig konkrete Informationen vorliegen, lieber die Strecke ganz offen als Versuch oder Vision deklarieren. Die Phantasie-Strecken haben meist sogar den besseren Unterhaltungswert, weil man sich hier so richtig austoben kann.

Woher bekomme ich meine Informationen ?
Leider gibt es für den Bereich der DB - im Gegensatz zu den SBB - keine öffentlich zugänglichen Streckenpläne oder Karten, wo alle benötigten Informationen zusammengefasst aufgeführt sind. Über viele Strecken oder Bahnhöfe gibt es aber recht gute Bücher, die Streckenpläne, Höhenprofile, Bahnhofsspurpläne und dergleichen enthalten. Manchmal hat man auch die Möglichkeit, sich über einen befreundeten Lokführer ein Geschwindigkeitenheft oder einen Buchfahrplan einer bestimmten Strecke zu besorgen. Sowas ist natürlich Gold wert. Beeilung: Die Einführung von EBULA (elektronische Buchfahrplan- und Langsamfahrstellenanzeige) wird den gedruckten Plänen in absehbarer Zeit den Garaus machen.
Die besten allgemein zugänglichen Quellen sind ohne Zweifel die topographischen Karten. Man kann aus ihnen jede Menge Informationen entnehmen: Streckenführung, Höhenpunkte, Lage der Seitengleise, Bahnhofsgebäude, Bahnübergänge, Brücken und Tunnel. Aus den Kurvenradien kann man dann mit Hilfe der Tabelle der zulässigen Geschwindigkeiten (siehe Anhang) zumindest annähernd auf die örtlich zulässige Geschwindigkeit schließen.
Geschwindigkeiten kann man auch während der Fahrt im Zug schätzen/stoppen und notieren. Oder man fragt einfach einen Lokführer zu bestimmten Punkten.
Wenn man keine topographische Karte zur Verfügung oder einfach keine Lust hat, sich dort durchzumessen, kann man die km-genaue Lage der Bahnhöfe an der Strecke auch aus dem Kursbuch entnehmen. Aber Vorsicht: Dort sind Tarif-km angegeben, die nicht unbedingt mit den Strecken-km übereinstimmen müssen (diese Ausnahmen sind aber selten).
Für Geschwindigkeiten, Signalstandorte, Gleisentwicklungen, Weichenanordnung, Nebengleise etc. hilft ansonsten nur Streckenkenntnis, Gefühl und Mut zur Lücke.
Hier ist dann auch meist der Punkt, in dem sich Versionen derselben Strecke oft deutlich unterscheiden.

Ein paar Problemchen, die uns RailSim beschert:
RailSim ist ein Programm mit ganz erstaunlichen Möglichkeiten. Wer sich intensiver damit beschäftigt, kommt gerade im Zeitalter der Megabytes aus dem Staunen nicht heraus, was alles mit so wenig Programm- und Datenumfang herausgeholt werden kann. Dennoch gibt es einige Dinge, die dem Streckenbauer Grenzen setzen.
Dass man mit RailSim nicht mehr als 4 Gleise zur Verfügung hat, dürfte allgemein bekannt sein. Ebenso, dass die Streckenlänge unter 100 km sein muss. Noch nicht so bekannt, aber sehr fatal ist die falsche Behandlung der Kurvenradien: Der Mindestradius bei einer gegebenen Geschwindigkeit ist bei RailSim deutlich größer als in Wirklichkeit. Die Streckenkarte wirkt also gestreckter, oder man muss tricksen. Entweder beim Streckenverlauf oder durch Manipulation der Datei.
Ebenso ärgerlich ist die Tatsache, dass eine Weiche bei RailSim stets mindestens 150 m lang ist. Damit werden Gleisentwicklungen von Bahnhöfen mit den üblichen Weichen eW 180 -1:9 deutlich länger als in Wirklichkeit. Auch hier muss man sich also etwas einfallen lassen - oder zähneknirschend mit den vielen, wenig vorbildgerechten doppelten Gleiswechseln leben.
RailSim geht grundsätzlich von einem Gleiswechselbetrieb aus. Die doppelten Signale kann man nicht verhindern. Man kann lediglich mit RS-EDWIN an einer Weiche durch Kappen des durchgehenden Gleises der Gegenrichtung eine Weiterfahrt auf dem rechten (bzw. im Ausland oft: linken) Gleis erzwingen. Es ist auch nicht möglich, die Nebengleise zwischen die Hauptgleise zu setzen. Das gäbe sofort Bahnsteigsalat.

Leider ist der RailSim-Editor nicht ganz stabil. Daher ist dringend zu empfehlen, in kurzen Abständen Sicherungskopien zu machen. Noch viel schlimmer ist m.E., dass RS-EDWIN erbarmungslos beim Beenden abspeichert; man kann keine Änderung verwerfen. Daher sollten vor dem Öffnen von RS-EDWIN und immer wieder während der Arbeit Zwischenstände unter anderen Namen oder in einem anderen Verzeichnis gesichert werden, damit man wieder darauf zurückgreifen kann, wenn man sich beim Weitermachen vertan hat oder nicht zufrieden ist.

Am Anfang sollte man sich auch von dem Zauberkasten RS-EDWIN nicht dazu verleiten lassen, gleich alle Register zu ziehen und herumzutricksen. Manche - vielleicht sogar unabsichtlichen - Manipulationen haben fatale Effekte. "Fliegende Signale" oder Bahnsteige und Masten mitten im Gleis sind da noch harmlos. Viel fatalere Auswirkungen haben da gestörte Signallogiken oder Sprünge zwischen benachbarten Gleisen.
Also: Schon Schritt für Schritt vorgehen. Wenn man das System begriffen hat, kann man allmählich so richtig in die Vollen gehen.

Einige besondere Tücken:
Jeder befahrene Fetzen Nebengleis (Gleis 3 oder 4) innerhalb von 1000 m hinter einem Signal führt automatisch zur Signalisierung von Fahrt mit Abzweiggeschwindigkeit, und zwar jener an der Stelle des Signals !
RailSim behandelt in Version 2.80 die Geschwindigkeitsvorgaben für Züge mit Neigetechnik bei Geschwindigkeiten unter 80 km/h falsch ! Es wird die normale Streckengeschwindigkeit vorgegeben und überwacht, die Fahrplanzeiten jedoch trotzdem um 20 % verkürzt. Man hat also keine Chance, pünktlich zu fahren. Damit muss man leben.
Schlimmer ist, dass die Neigetechnik auf Nebengleisen inaktiv ist. Das wirkt sich z.B. in verwirrenden Geschwindigkeitswechseln im Bereich von Überleitstellen aus. Wird aus irgendwelchen Gründen Gleis 3 oder 4 als Hauptdurchfahrtgleis verwendet (z.B. beim "Häuserbau-Trick"), gibt es an der Übergangsstelle eine schlagartige Entgleisung, wenn mit NT-Geschwindigkeit gefahren wird !!

Vorgehen beim Streckenbau:
Hinweis: Wenn man eine Strecke mit RS-EDWIN bearbeitet hat, diese niemals wieder in den RailSim-Editor laden. Letzterer ist sehr restriktiv und macht vieles wieder rückgängig, was nicht im Standard enthalten ist. Die Folgen sind machmal amüsant, manchmal fatal.

Stufe 1: Strecke im RailSim-Editor anlegen

a. Strecke definieren: b. Bahnhöfe setzen: c. Signale setzen: d. Streckenverlauf konkretisieren:
(Jetzt abspeichern, Sicherheitskopie machen !)

Stufe 2: Feinarbeiten mit RS-EDWIN:

e. Geschwindigkeiten und Kurvenradien überarbeiten:

f. Spezialitäten einbauen

g. Zubehör: h. Schlussdurchgang: