(von Marko Günther und Joachim Schmid)
Es gibt in RailSim zwei Probleme, welche schon viele Streckenbauer geärgert haben: Zunächst einmal kann man einen bekannten Kurvenradius nicht direkt eingeben, sondern der Editor kennt nur "enge", "mittlere" und "flache" Kurven, und diese Zuordnung ist auch noch geschwindigkeitsabhängig. Zum anderen sind die zulässigen Kurvengeschwindigkeiten in RailSim deutlich niedriger als bei der DB. Die Kurven werden also für eine gegebene Fahrgeschwindigkeit deutlich flacher als beim Original.
Unter Verwendung von RS-EDWIN gibt es jedoch die Möglichkeit, den Kurvenradius direkt einzugeben und ihn sogar nachträglich stärker zu krümmen als es der Editor offiziell erlaubt. Dies findet seine Grenze jedoch in der Tatsache, dass man ab einer bestimmten Geschwindigkeit auch in RailSim "aus der Kurve fliegt".
RailSim speichert eine Kurve jedoch nicht mit ihrem Betrag des Radius in Metern ab, sondern als Krümmungsfaktor. Zahlen größer als Null bedeuten hierbei eine Rechtskurve und negative Zahlen eine Linkskurve.
Marko Günther hat sich die verdienstvolle Arbeit gemacht, die genauen Zusammenhänge herauszufinden, indem er Testkreise gebaut, vermessen und probegefahren hat. Anhand seiner Ergebnisse konnte ich herausfinden, dass der Krümmungsfaktor das 10.000-fache der Kurvenkrümmung im mathematischen Sinn beträgt, also
KF = 10.000 * K = 10.000/R(mit K = Krümmung in 1/m, R = Bogenradius in m).
Verrückterweise ist die Entgleisungs-Grenzgeschwindigkeit bei RailSim keine Funktion der Querbeschleunigung
a_z = v²/R = K * v²
sondern folgt irgendeiner Funktion höherer Ordnung. Sie liegt im gesamten Wertebereich unter der bei der DB zulässigen Kurvengeschwindigkeit, im Regelfall:
v_max = SQRT (R * ü * 125)
mit größter Überhöhung ü = 0,15 m. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten wird sogar die offiziell zulässige Geschwindigkeit bei Mindestüberhöhung
v_max = SQRT (R * (ü+0,1) * 84,75)
für ü = 0 unterschritten !
Originalwerte RailSim
Radius Vmax Kurven- Vmax Vmax Entglei-
ü=0 ü=0,15 faktor Standard mögl. sungsgeschw.
re. li.
10.000 290 430 01 FF 250 400 ?
5.000 200 310 02 FE 200 300 ?
3.350 170 250 03 FD 200 250 ?
2.500 145 220 04 FC 160 220 280
2.000 130 200 05 FB 160 200 250
1.650 120 180 06 FA 140 180 225
1.450 110 170 07 F9 140 160 195
1.270 105 160 08 F8 130 140 165
1.100 95 150 09 F7 120 130 150
1.000 90 140 10 F6 110 120 135
920 85 135 11 F5 100 110 123
840 85 130 12 F4 90 95 110
760 80 120 13 F3 80 90 105
700 75 120 14 F2 x 80 95
660 75 115 15 F1 x 75 88
630 75 110 16 F0 x 70 84
610 70 110 17 EF x 65 79
550 65 105 18 EE x 60 75
530 65 100 19 ED x 55 70
490 60 100 20 EC x 55 66
Zum praktischen Vorgehen in RS-EDWIN:
Wichtig: Die Punkte 2 und 3 sind genau in dieser Reihenfolge auszuführen. Danach darf die Höchstgeschwindigkeit in diesem Abschnitt nicht mehr verändert werden, da RS-EDWIN beim Setzen der Vmax die Kurvenwerte überprüft und eventuelle Begradigungen vornimmt.
Achtung: Solchermaßen "geschärfte" Strecken sind sehr schwierig zu fahren, weil die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um mehr als die von RailSim in der Berechnung der "Sicherheitspunkte" tolerierten 10 % bereits zur Entgleisung führt. Auch sind sie NICHT mehr für Fahrzeuge mit Neigetechnik befahrbar ! Die Entgleisungsgeschwindigkeit ist nämlich dieselbe wie bei anderen Fahrzeugen, während die im Führerstand signalisierte Höchstgeschwindigkeit aus der Strecken-Vmax hochgerechnet wird.
