Ein altbewährter Spruch: Arbeitsspeicher ist durch nichts zu ersetzen, außer durch Arbeitsspeicher ! Das gilt auch für Windows 3.1x.
Wenn man sich erinnert, wie das Marketing von Windows 3.1 im Jahr 1992 aussah... da wurde der ahnungslos staunende Möchtegern-Anwender zunächst mal kräftig verkaspert. Denn Arbeitsspeicher war damals eine der teuersten Komponenten des Computers, und daran konnte man sparen, ohne dass es auf den ersten Blick auffiel. TrueColor-Hintergrundbilder, schockweise TrueType-Schriften... in jedem kleinen PC steckte doch nach Angaben der Werbung mindestens das Zubehör für ein komplettes Verlagshaus samt Druckerei. "Windows 3.1 läuft mit 4 MB RAM !", das war wohl die schärfste aller Aussagen.
Gut, es stimmte. Windows selbst lief. Und wenn man sich darauf beschränkte, den Taschenrechner, den Kalender, den Editor oder die Systemsteuerung zu öffnen, dann blieb das auch so. =:-\ Aber wehe, es kam eine Anwendung ins Spiel, die auch ein wenig von dem kostbaren Speicher für sich in Anspruch nehmen wollte... dann knarzte und rappelte es auf der Festplatte und das große Auslagern begann. Das belastete die Arbeitsgeschwindigkeit doch sehr, um es freundlich auszudrücken.
Immerhin waren damals die kleinen Bildschirme mit 640 x 480 Bildpunkten die Regel, so dass das TrueColor-Hintergrundbild von dem knappen 4 MB-Speicherriegel nur ein Viertel aufknabberte... und größere Bildschirme waren mit den vorhandenen Grafikkarten dann ohnehin nur mit 16 oder 8 Bit Farbtiefe zu versorgen... trotzdem. So ging es auf die Dauer nicht.
(Wenn ich mein kleines Notebook - 486 DX-33 - mit 20 MB Speicher anwerfe, dann geht da natürlich alles flott voran, Kunststück, 20 MB sind eben mehr als 4 und bei dem VGA-Monochrom-Display macht das Hintergrundbild den Kohl auch nicht fett.)
Aber zur Sache. Für die guten alten 386SX-Systeme bilden 16 MB die Obergrenze, aber ansonsten kann man da ja heute etwas großzügiger herangehen. Nach dem Eingangssatz ist meine Empfehlung klar: Nimm so viel, wie hineingeht. Bis 64 MB geht das ohne Weiteres.
So kann man sich auch 128 oder gar bis zu (maximal) 256 MB gönnen ....
... nur sollte man beachten, dass DOS erst ab 7.0 mehr als 64 MB unterstützt und man sich deshalb als Benutzer einer älteren DOS-Version entweder eine neuere himem.sys und emm386.exe irgendwoher "besorgen" muss oder das Programm setxmsto.exe verwenden, das dem Ramdisk-Treiber XMSDSK beiliegt. Außerdem wird Windows auf manchen Boards mit mehr als 64 MB wieder langsamer (Stichwort: "Cacheable area", 512 KB Cache reichen auf diesen Boards nur für 64 MB RAM).
Und noch ein Kuriosum gilt es zu berichten: Da hat man sich schon mal richtig viel RAM gegönnt, doch MEM bescheinigt einem, dass bloß 64 MB RAM installiert seien. Alles Lug und Trug oder was ? Nun, es kann sein, dass die vorhandene Version von mem.exe ebenfalls ihre Grenzen kennt. Auch hier kann möglicherweise die Version von Windows 4.x weiterhelfen.
Tauscht man sie aus, so kann es sein, dass sie noch eine (einmalige) Behandlung mit SETVER benötigt: (dazu muss setver.exe in der config.sys per
device=c:\dos\setver.exe oder
devicehigh=c:\dos\setver.exe geladen worden sein.)
Nun gibt man am Prompt ein:
"setver mem.exe 7.00" (bei mem.exe von Windows 4.00 (95 A) oder "setver mem.exe 7.10" (bei höherer Version)
Bei mir hatte die Aktion den gegenteiligen Effekt... die mem.exe von DOS 6.22 tut es.
Der praktische Nutzen: Je mehr Arbeitsspeicher da ist, um so reichlicher kann man seine RAM-Disk bemessen. Ab 48 MB hat das auf jeden Fall schon Sinn (selbst auf dem 20 MB-Notebook ist sie praktisch). Wenn man denn damit arbeiten möchte.
Kann es sein, dass jemand gar nicht weiß, was das ist ?
Ich versuche mal, es mit einfachen Worten zu erläutern:
Als RAM-Disk kann ein Teil des Arbeitsspeichers organisert werden, so dass er a) als Arbeitsspeicher wegfällt und b) sich von demselben Zeitpunkt an wie ein ganz normales Festplattenlaufwerk verhält. Dieses virtuelle Laufwerk bekommt den nächsten freien (oder einen vom Anwender festgelegten) Laufwerksbuchstaben zugeteilt und ist schon fix und fertig formatiert. Es erscheint fortan im Dateimanager oder Explorer und man kann darauf Verzeichnisse anlegen und und Dateien speichern wie auf jedem anderen Datenträger auch. Mit einem kleinen, aber erheblichen Unterschied: Beim Ausschalten des Computers oder auch beim Neustart nach einem Absturz geht der Inhalt der RAM-Disk verloren und das "Laufwerk" ist nach dem Hochfahren genauso jungfräulich wie beim ersten Mal. (Vor dem ersten Mal natürlich.) ;->
Ist die RAM-Disk hinreichend groß, so sollte man das "TEMP"-Verzeichnis dorthin legen, denn das erhöht die Arbeitsgeschwindigkeit erheblich, ganz gleich ob etwa ein Programm zu installieren ist oder man öfters mal mit ZIP-Archiven arbeitet oder was sonst noch alles. Zum Beispiel kann man hier auch das Verzeichnis für Cookies und den Internet-Cache hinlegen, wenn man möchte.
Man braucht für die ganze Aktion einen speziellen Treiber, der heißt XMSDSK. Zum Lieferumfang von MS-DOS gehört ramdrive.sys, der kann aber "nur" RAM-Disks bis 32 MB verwalten, XMSDSK schafft bis zu 2 GB. Wobei das alles natürlich für den Normalanweder Theorie ist... Die Größe des vohandenen Arbeitsspeichers setzt dem Ganzen vermutlich engere Grenzen.